Warum sollte ein toter Zahn entfernt werden?
Aus Sicht der biologischen Zahnmedizin kann ein toter Zahn den Körper dauerhaft belasten: Er ist abgestorbenes Gewebe, das Abbauprodukte abgeben und das Immunsystem beanspruchen kann, auch dann, wenn er keine Schmerzen macht. Fehlender Schmerz ist aus dieser Sicht kein sicheres Zeichen für Gesundheit.
Dieser Beitrag basiert auf einem Video von Jürgen Melzener.
Wenn Ihr Finger abstirbt, wird er amputiert, sonst wird Ihr ganzer Körper krank. Bei Zähnen versuchen die meisten Ärzte das Gegenteil: sie so lange wie möglich im Körper zu erhalten. Was ein toter Zahn dabei anrichten kann, erkläre ich Ihnen hier.
Mich nervt, dass in der Zahnmedizin ständig nur Symptome behandelt werden, so als wären wir eine Zusammensetzung von Einzelteilen. Niemand sucht nach der eigentlichen Ursache. Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Was ist ein toter Zahn überhaupt?
Ein Zahn ist von außen nach innen aufgebaut: Schmelz, darunter das Zahnbein, und in der Mitte das, was meist nur „der Nerv” genannt wird. Tatsächlich steckt dort viel mehr: Blutgefäße, ein Lymphabfluss und der Nerv selbst.
Bei einer Wurzelbehandlung muss dieses gesamte Gewebe ausgeräumt werden, damit der Zahn möglichst steril wird. Das Problem: Der Innenraum eines Zahns ist kein gerader Kanal, sondern ein verzweigtes System feiner Seitenkanäle, wie ein umgedrehter Tannenbaum. Herausholen lässt sich nur der Hauptstamm.
Was im Zahn drinsteckt, hat eine Länge von einem Meter oder mehr. Entfernen können wir vielleicht 50 Zentimeter. Mindestens 50 Zentimeter Gewebe bleiben drin und zerfallen weiter.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein wurzelbehandelter Zahn am Ende wirklich steril ist, liegt damit eher bei null. Das funktioniert schlicht nicht.
Was im Körper passiert: die stille Entzündung
Die Gewebereste, die im Zahn zurückbleiben, zerfallen weiter. Dabei entstehen sogenannte Mercaptane und Thioether, stark giftige Verbindungen. Gegen die muss Ihr Körper ununterbrochen ankämpfen. Diesen Zustand nennt man Silent Inflammation, eine stille Entzündung.
Das Tückische: Diese Entzündung macht keine Schmerzen und ist trotzdem riskant. Ihr Immunsystem läuft die ganze Zeit gegen sie an.
Stellen Sie es sich vor, als würden Sie ständig mit angezogener Handbremse Auto fahren. Immer hemmt irgendetwas. Sie kommen nie richtig in Ihre Kraft.
Und der Zahn steckt nicht isoliert in einer Ecke. Er sitzt im Knochen, und damit ist er in Ihrem Körperinneren. Abbauprodukte können in die Blutgefäße und ins Lymphsystem übergehen und sich im Körper verteilen. Auch die Leber muss diese Stoffe mit verarbeiten, und der Organismus kann dadurch in Alarmbereitschaft bleiben.
Warum fehlender Schmerz Sie täuscht
Die Abwesenheit von Schmerz heißt nicht, dass alles in Ordnung ist. Das ist ein Trugschluss, gerade im Mund.
Überlegen Sie: Wenn Ihnen etwas weh tut, gehen Sie in eine Schonhaltung. Würde Ihnen im Mund dauerhaft etwas weh tun, könnten Sie nicht mehr essen und trinken. Das geht nur eine begrenzte Zeit. Deshalb sendet der Körper das Schmerzsignal im Mund erst sehr spät. Wenn es im Mund weh tut, ist es eigentlich schon zu spät.
Ein toter Zahn kann Ihren Körper also auch ohne Schmerzen belasten: Das Immunsystem bleibt beansprucht, Abbauprodukte müssen verstoffwechselt werden, und die volle Immunkraft kann darunter leiden.
Warum sagen viele Zahnärzte trotzdem, es sei kein Problem?
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Kein Schmerz, kein Problem. Die Annahme, die ich oben widerlegt habe.
- Zweidimensionale Diagnostik. Von einem dreidimensionalen Gebilde wird ein zweidimensionales Röntgenbild gemacht. Liegt eine Entzündung außerhalb dieser Bildebene, sieht man sie nicht. Wir hätten heute die Möglichkeit, dreidimensionale Bilder zu machen, bewerten Wurzelbehandlungen aber trotzdem noch zweidimensional.
- Die Leitlinien. Eine Wurzelfüllung gilt schon als gut, wenn sie bis ins untere Drittel reicht. Der Rest bleibt unbearbeitet.
Bildlich gesprochen machen wir in der Zahnmedizin mit einem toten Zahn etwas Ähnliches wie bei einem abgestorbenen Zeh: Statt ihn zu entfernen, ziehen wir eine weiße Socke darüber, damit man ihn nicht mehr sieht, und tun so, als sei alles gut.
Woran Sie erkennen, ob Ihr toter Zahn ein Risiko ist
Für Sie als Patient ist das schwer einzuschätzen, besonders wenn nichts weh tut. In meiner Erfahrung haben aber viele Patienten, die mit einem wurzelbehandelten Zahn zu mir kommen, bereits ein Bauchgefühl. Frage ich genauer nach, lässt sich oft ein zeitlicher Zusammenhang herstellen: Seit der Wurzelbehandlung hat sich der Gesundheitszustand in eine bestimmte Richtung verändert.
Konkrete Warnzeichen und sinnvolle Schritte:
- Der Zahn ist beim Aufbeißen empfindlich oder steht etwas über. Beim Zubeißen fühlt er sich an wie auf einem Kissen und drückt in den Kiefer. Dann ist er nicht in Ordnung.
- Mercaptan- und Thioether-Test (Privatleistung): Über das Blut lässt sich prüfen, ob Ihr Körper auf diese Stoffe reagiert.
- 3D-DVT-Aufnahme der Kieferregion: Der ganzheitliche Blick, der zeigt, was ein zweidimensionales Bild übersieht.
Wenn Ihr Bauchgefühl Ihnen sagt, dass mit dem Zahn etwas nicht stimmt, ist eine tiefergreifende Diagnostik sinnvoll.
Fazit
Ein toter Zahn ist aus meiner Erfahrung häufig ein Störfeld. Keine Schmerzen heißt nicht automatisch, dass alles in Ordnung ist. Nervtote Zähne können aus meiner Sicht die Ursache für viele chronische Beschwerden im Körper sein.
Wenn Sie bereits ein schlechtes Bauchgefühl haben und sich mit dem Thema beschäftigen, lassen Sie bitte unbedingt prüfen, welche Belastung diese Zähne für Ihren Körper bedeuten.
Häufige Fragen
Tut die Entfernung eines toten Zahns weh?
Nein. Die Entfernung erfolgt unter lokaler Betäubung und ist in der Regel schmerzfrei, auch in den Tagen danach. Bei einer schonenden Extraktion gehen wir gewebeschonend vor und desinfizieren den Knochen mit Ozon, was Komplikationen und Nachschmerzen reduziert.
Was kommt nach der Entfernung an die Stelle des Zahns?
Das hängt von Ihrer Situation ab. Möglich sind ein Keramikimplantat (oft als Sofortimplantation in derselben Sitzung), eine metallfreie Brücke oder zunächst gar nichts. Wichtig ist die Reihenfolge: erst die Belastung raus, dann in Ruhe eine stabile Versorgung aufbauen.
Woran erkenne ich, ob mein wurzelbehandelter Zahn ein Problem ist?
Häufig über das Bauchgefühl und den zeitlichen Zusammenhang. Viele Patienten berichten, dass bestimmte Beschwerden seit der Wurzelbehandlung bestehen. Objektiv lässt sich das über einen Mercaptan- und Thioether-Test im Blut sowie eine 3D-DVT-Aufnahme abklären, die mehr zeigt als ein klassisches 2D-Röntgenbild.
Mein Zahn tut nicht weh, muss ich trotzdem handeln?
Fehlender Schmerz ist aus biologisch-zahnmedizinischer Sicht kein sicherer Beweis dafür, dass der Zahn in Ordnung ist. Ein toter Zahn kann auch ohne Schmerzen Abbauprodukte abgeben und das Immunsystem beanspruchen. Wenn Sie ein schlechtes Bauchgefühl haben, lohnt sich eine ganzheitliche Abklärung.
Ist eine Wurzelbehandlung nicht die schonendere Lösung?
Eine Wurzelbehandlung versucht, einen abgestorbenen Zahn im Körper zu erhalten. Das Gewebe in den feinen Seitenkanälen lässt sich dabei nicht vollständig entfernen und zerfällt weiter. Aus ganzheitlich-biologischer Sicht bleibt ein wurzelbehandelter Zahn deshalb eine chronische Belastung.
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