Parodontitis: Wie gefährlich ist Zahnfleischbluten wirklich?

Kurz gesagt

Zahnfleischbluten ist kein Schönheitsfehler, sondern häufig das erste sichtbare Zeichen einer Parodontitis, einer chronischen Entzündung des Zahnhalteapparats. Sie tut in der Regel nicht weh und wird deshalb oft spät erkannt. Aus biologisch-zahnmedizinischer Sicht ist sie eine Erkrankung des ganzen Körpers, denn wissenschaftlich gilt als gesichert, dass Parodontitis das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Frühgeburten erhöht.

Dieser Beitrag basiert auf einem Video von Jürgen Melzener.

Viele merken es erst, wenn es zu spät ist. Parodontitis ist eben nicht nur Zahnfleischbluten. Aus meiner Sicht ist sie eine stille Entzündung, die den ganzen Körper belasten kann, und genau deshalb wird sie so oft unterschätzt.

Mehr als nur Zahnfleischbluten

Parodontitis beginnt mit einer Entzündung des Zahnfleischs. Sie zeigt sich durch Bluten, oft dort, wo Sie mit der Bürste nicht hinkommen. Nett geschätzt reinigt die Hälfte der Menschen die Zahnzwischenräume nicht, und dort blutet es dann gern. Auch zurückgehendes oder angeschwollenes Zahnfleisch gehört dazu. Im fortgeschrittenen Stadium werden Zähne locker, und dann wird die Behandlung deutlich schwieriger.

Für mich ist Parodontitis vor allem eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels und damit des ganzen Körpers, nicht nur ein lokales Zahnfleischproblem.

Warum sie zu spät erkannt wird

Der Standardweg in der Diagnostik: Der Zahnarzt geht mit einer Sonde zwischen Zahn und Zahnfleisch und misst, wie viele Millimeter er hineinkommt. Bis 3 Millimeter gilt als in Ordnung, ab 3,5 Millimeter spricht man von Parodontitis. Das heißt im Klartext: Sie müssen erst krank sein, bevor eine Therapie beginnt. Und Sie wissen oft gar nicht, dass Sie krank sind, weil Parodontitis nicht wehtut.

Diese Grenze von 3,5 Millimetern ist außerdem ein Stück weit willkürlich. Man könnte auch 2 Millimeter ansetzen. Die Natur hat das Fehlen von Schmerz übrigens klug eingerichtet: Würde alles im Mund wehtun, würden wir aufhören zu essen und zu trinken. Genau deshalb kommt der Schmerz oft erst, wenn es schon spät ist.

Früher erkennen mit dem MMP8-Test

Es gibt einen Weg, die Sache objektiver zu bewerten: einen Test auf die Matrix-Metalloproteinase 8, kurz MMP8. Dieser Wert gibt einen Hinweis darauf, wie es Ihrem Knochenstoffwechsel geht, also auf das, was Parodontitis im Kern ausmacht.

Ist der Wert erhöht, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich eine Parodontitis entwickelt. So ein Test kann als ergänzendes Frühwarnsystem dienen, mit dem wir eingreifen können, bevor im Mund ein Schaden entstanden ist. Er ist kein alleiniger Beweis, aber ein sinnvoller Baustein, um früh zu handeln statt später zu reparieren.

Warum der ganze Körper betroffen ist

Hier ist die Studienlage eindeutig, und das sagt sogar die Schulmedizin klar: Eine Parodontitis erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, das Risiko für Frühgeburten und das Risiko für Diabetes.

Bei Diabetes ist es sogar wechselseitig: Habe ich eine Parodontitis, ist mein Blutzucker schlechter einstellbar, und ein schlecht eingestellter Blutzucker verschlechtert die Parodontitis. Es gibt sogar Hinweise, dass eine bestehende Parodontitis Krebstherapien erschwert. Die Entzündung im Mund bleibt also nicht im Mund.

Was ganzheitliche Therapie bedeutet

Die Kassenleistung orientiert sich an „ausreichend, zweckmäßig, wirtschaftlich”. Das heißt: Die Entzündung wird aus dem Zahnfleisch entfernt, aber um den Körper und den Knochenstoffwechsel kümmert sich niemand. Das ist aus meiner Sicht bestenfalls ein halber Schritt.

Ganzheitlich gehen wir weiter. Der erste Schritt ist immer, die Entzündung zu entfernen. Danach schauen wir auf den ganzen Körper: Ist zum Beispiel der Vitamin-D3-Wert so, dass Kalzium wieder in den Knochen eingebaut werden kann? Sind überhaupt alle Baustoffe da, um Knochen aufzubauen? Was nützt der beste Bautrupp, wenn kein Material da liegt? Dann ziehen die Arbeiter unverrichteter Dinge wieder ab. Ihr Körper kann nur aufbauen, was er an Material zur Verfügung hat.

Deshalb: frühe Diagnose, ganzheitliche Therapie, engmaschige Begleitung und ein bewusster Wiederaufbau des Knochens. Was Patienten danach berichten, wenn die Entzündung raus ist: mehr Energie, weil der Körper nicht mehr gegen die Entzündung anarbeitet. Das Zahnfleisch blutet nicht mehr, der unangenehme Geschmack und Geruch verschwinden, und mit dem Wiederaufbau des Knochens werden die Zähne über einige Monate wieder fester.

Fazit

Zahnfleischbluten ist ein Signal, kein Schönheitsfehler. Je früher Sie hinschauen, desto mehr lässt sich mit vergleichsweise wenig Aufwand erreichen. Und weil Parodontitis den ganzen Körper betrifft, lohnt sich der ganzheitliche Blick doppelt. Wenn Sie unsicher sind, ob bei Ihnen etwas im Gange ist, schauen wir gemeinsam drauf, bevor daraus ein größeres Problem wird.

Jürgen Melzener
Über den Autor

Jürgen Melzener

Jürgen Melzener ist Zahnarzt mit Schwerpunkt auf biologischer und ganzheitlicher Zahnmedizin in Wachtberg bei Bonn. Er behandelt Patienten aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich und ließ sich 2017 selbst ein Keramikimplantat setzen.

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Häufige Fragen

Ist Zahnfleischbluten harmlos?

Meistens nicht. Blutendes Zahnfleisch ist ein Entzündungszeichen und häufig der erste Hinweis auf eine beginnende Parodontitis. Gesundes Zahnfleisch ist blassrosa und blutet nicht, auch nicht beim Reinigen der Zwischenräume.

Warum merke ich eine Parodontitis nicht?

Weil sie in der Regel nicht wehtut. Wie die meisten Entzündungen im Mund verläuft sie lange still. Genau das macht sie tückisch: Wenn es im Mund schmerzt, ist es oft schon fortgeschritten. Deshalb ist es sinnvoll, früher hinzuschauen, statt auf Beschwerden zu warten.

Was ist der MMP8-Test?

Der MMP8-Test misst ein Enzym (Matrix-Metalloproteinase 8), das etwas über Ihren Knochenstoffwechsel aussagt. Er kann als ergänzendes Frühwarn-Screening einen Hinweis auf Ihr Parodontitis-Risiko geben, bevor sichtbarer Schaden entsteht. Er ersetzt die zahnärztliche Untersuchung nicht, ergänzt sie aber sinnvoll.

Hängt Parodontitis mit anderen Erkrankungen zusammen?

Ja, hier ist die Studienlage eindeutig. Eine Parodontitis erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, für Diabetes und für Frühgeburten. Bei Diabetes ist der Zusammenhang wechselseitig: Parodontitis erschwert die Blutzuckereinstellung und umgekehrt.

Werden lockere Zähne wieder fest?

Wenn die Entzündung zuerst konsequent entfernt wird und der Knochen sich neu aufbauen kann, werden Zähne aus unserer Erfahrung oft wieder fester. Das braucht Zeit: Eine Knochenheilung am Zahnhalteapparat dauert typischerweise drei bis neun Monate.

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