Was kostet ein Keramikimplantat, und ist es das wert?

Kurz gesagt

Ein Keramikimplantat ist in der Regel teurer als ein Titanimplantat. Den genauen Preis besprechen wir individuell in Ihrem Behandlungsplan, weil er von Diagnostik, Vorbereitung und Anzahl der Implantate abhängt. Der Aufpreis hat aber einen medizinischen Grund: Keramik ist elektrisch neutral, gibt keine Metallionen ab und verbindet sich dicht mit dem Zahnfleisch. Ob sich das für Sie lohnt, hängt vor allem von Ihrer gesundheitlichen Situation ab.

Dieser Beitrag basiert auf einem Video von Jürgen Melzener.

Titanimplantat oder Keramikimplantat, und ein spürbarer Preisunterschied dazwischen. Da fragt man sich zu Recht: Ist Keramik wirklich besser oder einfach nur teurer? Gibt es einen echten medizinischen Unterschied oder ist das am Ende Marketing? Eine berechtigte Frage, und die Antwort ist eindeutig: Der Unterschied ist real, und er ist nicht nur der Preis.

Nur teurer oder wirklich besser?

Zwischen den Materialien liegen echte Unterschiede. Keramik ist als Material neutral. Metall trägt immer eine elektrische Ladung. Keramik isoliert, Metall leitet. Keramik gibt keine Partikel ab. Metall unterliegt im feuchten Milieu einer Korrosion und kann dabei Metallionen an das umliegende Gewebe abgeben.

Das ist ein deutlicher Unterschied, für welches der beiden Materialien Sie sich entscheiden, und dieser Unterschied ist eben nicht nur eine Frage des Preises.

Für wen sich Keramik besonders lohnt

Entscheidend ist auch, wie es Ihnen allgemein geht. Haben Sie Allergien, sind Sie chronisch krank, haben Sie Herz-Kreislauf-Probleme oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten, sind Sie elektrosensibel oder ohnehin sehr sensibel? Dann ist Keramik aus meiner Sicht die beste Wahl, weil ich Ihrem Körper keinen weiteren möglichen Störfaktor zumuten würde. Bei Metall kann das Risiko einer Sensibilisierung höher liegen.

Und brauchen Sie ein Implantat im sichtbaren Bereich, bei den Schneidezähnen, erübrigt sich die Frage fast von selbst: Metallimplantate sind grau und schimmern oft als dunkler Rand durchs Zahnfleisch. Keramik ist weiß. Ästhetisch lässt sich das kaum vergleichen.

Der Punkt, den viele nicht kennen

Es gibt ein Argument, das selten genannt wird und für mich zu den wichtigsten gehört: der Anschluss ans Zahnfleisch.

Ihr Implantat schaut, anders als ein künstliches Hüftgelenk, aus dem Zahnfleisch heraus. An dieser Durchtrittstelle gibt es eine Verbindung vom Mundraum ins Körperinnere. Entscheidend ist deshalb, wie gut das Zahnfleisch an das Material heranwächst. Bei Keramik ist dieser Anschluss dicht, ähnlich wie beim eigenen Zahn. Bei Titan ist die Verbindung aus meiner Sicht schlechter, sodass eine Art immunologische Tür offen bleiben kann, über die Bakterien leichter ins Körperinnere gelangen. Bei Keramik bleibt diese Tür zu. Das ist für mich einer der zentralen Vorteile.

Warum die Medizin sonst auf Titan setzt

Warum wird in der Medizin trotzdem so viel Titan verwendet? In der Orthopädie gibt es oft keine Alternative: Eine künstliche Hüfte braucht eine bestimmte Flexibilität, da würde ich nie über das Material diskutieren. Außerdem wird ein künstliches Gelenk eingesetzt, zugenäht und hat keinen Kontakt nach außen.

Das Zahnimplantat ist anders, wegen genau dieser Durchtrittstelle. Man darf hier also nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. In der Orthopädie ist Titan völlig richtig. Im Mund gelten andere Bedingungen.

Wie der Preis zustande kommt

Eine pauschale Zahl wäre unseriös. Was ein Keramikimplantat bei Ihnen kostet, hängt von Ihrer Ausgangssituation ab: von der Diagnostik, von eventuellen Vorbereitungen wie einem Knochenaufbau und von der Anzahl der Implantate. Deshalb halten wir den konkreten Betrag schriftlich in Ihrem Behandlungsplan fest, bevor irgendetwas gemacht wird, und Privatversicherte bekommen je nach Tarif einen großen Teil erstattet.

Mein Rat: Reduzieren Sie die Entscheidung nicht allein auf die Kostenfrage. Listen Sie in Ruhe Vor- und Nachteile auf und ziehen Sie dann den Strich. Oft weiß das Bauchgefühl längst, was zu Ihnen passt. Ich stand selbst vor dieser Wahl: Einen nervtoten Zahn, der mir nie ganz geheuer war, wollte ich zu Titan-Zeiten nicht antasten. Als ich die Keramikimplantate kennenlernte, war dieser Zahn schnell ersetzt. Für mich ist Keramik die einzige Art, eine solche Lücke mit einer künstlichen Wurzel zu versorgen.

Fazit

Keramik ist elektrisch neutral, gibt keine Partikel ab, heilt neutral ein und schließt dicht mit dem Zahnfleisch ab. Titan kann im Zahnbereich im Einzelfall eine Alternative sein, dann aber bitte nur nach einem Titanstimulationstest. Den ausführlichen Materialvergleich finden Sie in unserem Beitrag Keramik oder Titan. Wenn Sie wissen möchten, was in Ihrer Situation sinnvoll ist und was es konkret kostet, schauen wir uns das gemeinsam an.

Jürgen Melzener
Über den Autor

Jürgen Melzener

Jürgen Melzener ist Zahnarzt mit Schwerpunkt auf biologischer und ganzheitlicher Zahnmedizin in Wachtberg bei Bonn. Er behandelt Patienten aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich und ließ sich 2017 selbst ein Keramikimplantat setzen.

Mehr über Jürgen

Häufige Fragen

Warum ist ein Keramikimplantat teurer als Titan?

Der Unterschied ist nicht nur der Preis, sondern das Material. Keramik ist elektrisch neutral, gibt keine Partikel oder Metallionen ab und verbindet sich dicht mit dem Zahnfleisch. Titan unterliegt im feuchten Milieu einer Korrosion und kann Metallionen abgeben. Herstellung und Präzision sind bei Keramik aufwendiger, das spiegelt sich im Preis.

Was kostet ein Keramikimplantat genau?

Eine pauschale Zahl wäre unseriös, weil der Preis von Ihrer Ausgangssituation abhängt: Diagnostik, eventuelle Vorbereitungen wie ein Knochenaufbau und die Anzahl der Implantate. Den konkreten Betrag halten wir schriftlich in Ihrem Behandlungsplan fest, bevor irgendetwas passiert. Privatversicherte erhalten je nach Tarif einen großen Teil zurück.

Für wen lohnt sich Keramik besonders?

Wenn Sie Allergien haben, chronisch krank sind, zu Unverträglichkeiten neigen, elektrosensibel sind oder ein Implantat im sichtbaren Frontzahnbereich brauchen, ist Keramik aus meiner Sicht die klar bessere Wahl. Titanimplantate schimmern zudem oft als dunkler Rand durchs Zahnfleisch, Keramik ist weiß.

Ist Titan grundsätzlich schlecht?

Nein. In der Orthopädie, etwa bei künstlichen Gelenken, ist Titan oft die einzige sinnvolle Wahl und dort völlig richtig. Im Zahnbereich kann Titan im Einzelfall eine Alternative sein. Wenn es Titan werden soll, empfehle ich vorher einen Titanstimulationstest, um zu prüfen, ob Sie das Material vertragen, bevor es fest eingeheilt ist.

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