Sollte ich meine alten Amalgamfüllungen entfernen lassen?
Das Risiko alter Amalgamfüllungen entsteht meist nicht am Anfang, sondern nach 10, 20 oder 30 Jahren, wenn das Material altert, spröde wird und feine Risse bekommt. Amalgam besteht zu etwa 50 Prozent aus Quecksilber, das als neurotoxisch gilt. Aus Sicht der biologischen Zahnmedizin kann eine gealterte, undichte Füllung den Körper belasten. Seit dem 1. Januar 2025 ist die Verwendung von Amalgam in der EU zudem verboten.
Dieser Beitrag basiert auf einem Video von Jürgen Melzener.
Viele denken: „Das habe ich doch schon seit Jahren drin, so dringend kann das nicht sein.” Das klingt logisch, und genau hier passiert aus meiner Sicht der Denkfehler. Das Risiko entsteht nämlich nicht am Anfang, sondern im Alter der Füllung, wenn sich das Material verändert.
Das Risiko kommt mit dem Alter
Amalgam ist ein Metallgemisch, das zu etwa der Hälfte aus Quecksilber besteht. Wenn es 10, 20 oder 30 Jahre in Ihrem Mund liegt, steht es dauerhaft im Feuchten und unterliegt einer Korrosion. Vereinfacht gesagt: Es rostet, wird spröde, und was spröde wird, gibt Partikel ab.
Dazu kommt die tägliche Belastung. Temperaturwechsel durch Essen und Trinken und der Druck beim Kauen sorgen dafür, dass sich das Material ständig ausdehnt und zusammenzieht. Es entstehen feinste Haarrisse. Und weil Amalgam zu rund 50 Prozent aus Quecksilber besteht, ist bei jedem abgegebenen Partikel immer auch Quecksilber dabei.
Warum die Füllung undicht wird
Nichts im Mund hält ewig. Durch Kauen, Trinken und Säuren werden Amalgamfüllungen mit der Zeit undicht. Es bilden sich Risse zwischen Zahn und Füllung, weil sich Zahnschmelz und Amalgam bei Temperaturunterschieden unterschiedlich ausdehnen.
Damit entsteht ein Spalt, der in zwei Richtungen wirkt: Auf der einen Seite können Bakterien eintreten, auf der anderen Seite treten Bestandteile aus der Füllung aus. Das Tückische: Diese Schäden passieren oft unsichtbar und ohne Symptome. Sie können weiter gut auf den Zahn kauen, es tut nichts weh, und trotzdem ist die Füllung nicht mehr in Ordnung.
Was das für Zahn und Körper bedeutet
Zwei Dinge fallen mir hier zuerst ein.
Der Zahn wird geschwächt. Bei einer großen Amalgamfüllung wirkt der Kaudruck zentral, und der verbleibende Zahnschmelz muss das dauernd auffangen. Irgendwann kann der Zahn an einer Stelle auseinanderbrechen, manchmal so ungünstig, dass er nicht mehr zu retten ist. Das sehe ich leider gar nicht so selten. Sind schon kleine Risse im Schmelz zu erkennen, ist es höchste Zeit.
Der Körper wird mit belastet. Alterndes Material gibt Bestandteile ab, beim Amalgam ist das Quecksilber. Quecksilber gilt als neurotoxisch, es kann Nervenzellen schädigen, und es zählt zu den giftigsten nicht radioaktiven Stoffen. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, sich diesem Risiko zu stellen, statt es einfach liegen zu lassen. Denn gerade Quecksilber ist sehr schwer wieder aus dem Körper zu bekommen, und ein dauerhaft mit Entgiftung beschäftigtes Immunsystem hat weniger Kraft für anderes.
Was das Entfernen bringt
Wenn eine alte Amalgamfüllung ersetzt wird, erreichen Sie mehrere Dinge auf einmal. Sie senken das Risiko, dass der Zahn frakturiert, und der Zahn lässt sich langfristig stabilisieren, je nach Größe mit einem Keramik-Inlay, einer Teilkrone oder einer Krone. Die Kräfte werden dann anders abgeleitet, und das neue Material ist körperverträglicher.
Gleichzeitig sinkt die Belastung Ihres Körpers durch die Schadstoffe aus dem alten Material, und eine mögliche Entzündungsquelle unter der Füllung wird beseitigt. Kurz: Sie haben an dieser Stelle wieder Ruhe.
Sicher entfernen: worauf es ankommt
Wichtig ist, wie entfernt wird. Beim Herausbohren kann Quecksilber freigesetzt werden, deshalb sollte das nur unter Schutzmaßnahmen geschehen: der Zahn wird mit einem Kofferdam abgeschirmt, es wird stark abgesaugt, und Sie bekommen zusätzlich Sauerstoff. So halten wir die Belastung während der Entfernung für Sie und für das Praxisteam so gering wie möglich. Eine unbedachte Entfernung ohne Schutz ist genau das, was man vermeiden will.
Fazit
Amalgam altert, wird undicht, und Bakterien können darunter wandern, oft unsichtbar für jedes Röntgenbild. Eine kritische Kontrolle bringt eine klare Ja-oder-Nein-Entscheidung: Die Füllung ist in Ordnung oder sie muss ersetzt werden, nicht ein vages „das beobachten wir mal”, denn von allein wird es nicht besser. Wenn Sie wissen möchten, wie es um Ihre Füllungen wirklich steht, schauen wir uns das gemeinsam an.
Häufige Fragen
Ist Amalgam nicht seit Jahren als sicher eingestuft?
Die Bewertung hat sich verändert. Seit dem 1. Januar 2025 darf in der EU kein Amalgam mehr verwendet werden. Bestehende Füllungen müssen nicht pauschal ersetzt werden, aber eine gealterte, undichte Füllung ist etwas anderes als eine frische. Genau deshalb lohnt eine kritische Kontrolle.
Woran erkenne ich, dass meine Amalgamfüllung ein Problem ist?
Oft gar nicht von allein. Die Schäden entstehen meist unsichtbar und ohne Symptome: feine Risse, Undichtigkeiten, Karies unter der Füllung, die auf keinem Röntgenbild rechtzeitig zu sehen ist. Deshalb braucht es eine gezielte, kritische Kontrolle beim Zahnarzt statt eines bloßen Beobachtens.
Kann ein Zahn mit großer Amalgamfüllung brechen?
Das kommt vor. Bei einer großen Füllung wirkt der Kaudruck zentral, der Zahnschmelz muss das immer wieder mitmachen. Irgendwann kann der Zahn an einer Stelle brechen, manchmal so ungünstig, dass er nicht mehr zu retten ist. Kleine Risse im Schmelz sind ein Warnzeichen, dem Sie nachgehen sollten.
Ist die Entfernung von Amalgam nicht selbst gefährlich?
Beim Herausbohren kann Quecksilber freigesetzt werden. Deshalb sollte die Entfernung nur unter Schutzmaßnahmen erfolgen: Abschirmung des Zahns (Kofferdam), starke Absaugung und zusätzliche Sauerstoffzufuhr für Sie. So wird die Belastung während der Entfernung so gering wie möglich gehalten.
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